Mikrowald Leipzig

Im Mikrowald wächst noch etwas, das man nicht sehen kann: das Miteinander. Kinder lernen die Pflanzen kennen. Dabei arbeiten wir zusammen.
Der Mikrowald ist mehr als ein Stück Natur in der Stadt. Er ist auch ein Ort für alle, die heute leben, und für alle, die später kommen. Ein Ort der Begegnung.
Er ist ein Modellprojekt: Andere können sich ansehen, wie es geht, und davon lernen. Die Initiative Mikrowald Leipzig, die Kurt-Masur-Schule und die Stadt Leipzig haben ihn gemeinsam auf den Weg gebracht. Citizens Forests und Leipzig Pflanzt haben das Vorhaben mit Rat, Planung und praktischer Hilfe begleitet.
Am 20. März 2026 pflanzten 60 Kinder Bäume. Viele halfen ihnen dabei: Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, eine Baumpflegerin, ein Pflanzenkundler und der Verein Leipzig Pflanzt. So entstand ein grünes Klassenzimmer: ein Raum unter freiem Himmel. Hier lernt man Natur nicht nur aus Büchern kennen, sondern erlebt Natur selbst. Die Kinder spüren dabei auch, wie viel man gemeinsam für die Zukunft tun kann.

Mit und für die Kurt-Masur-Schule: Ein Wald für das Leben.
Was ist ein Mikrowald?
Stell dir vor, du bist ein kleiner Baum, frisch gepflanzt. Neben dir stehen zwei andere, so nah, dass sich eure Zweige fast berühren. Ihr wollt alle dasselbe: nach oben, ins Licht wachsen.

So wachsen die Bäume in einem Mikrowald. Der japanische Pflanzenforscher Akira Miyawaki hatte diese Idee in den 1970er Jahren. Weil die Bäume so eng stehen, strecken sie sich schnell nach oben. In etwa 20 bis 30 Jahren kann so ein Wald entstehen, für den die Natur sonst viel länger braucht.
Und wie viel Platz braucht so ein Wald? Erstaunlich wenig. Schon eine Fläche von 100 m² reicht aus. Trotzdem wachsen dort viele verschiedene Baum- und Straucharten nebeneinander.
Diese Vielfalt lockt Tiere an. Insekten, Vögel und andere Tiere finden dort Nahrung und Verstecke.
Der Wald hat Stockwerke: oben die hohen Bäume, darunter die Sträucher, am Boden kleinere Pflanzen. In jedem Stockwerk finden Insekten, Vögel und andere Tiere Nahrung und Verstecke.

Pflanzen, Tiere und Boden leben zusammen und brauchen einander. Dieses Zusammenspiel heißt Ökosystem.
Bäume spenden Schatten und kühlen die Luft. So wird es an heißen Tagen weniger heiß in der Stadt. Wie warm oder kühl es in der Stadt ist, nennt man Stadtklima. Mikrowälder können es verbessern.
Mikrowälder gibt es auf der ganzen Welt. Auf Englisch heißen sie Tiny Forests. In vielen Städten pflanzen Menschen aus der Nachbarschaft sie selbst.
Und der kleine Baum vom Anfang? Er steht nicht allein: Menschen haben ihn gepflanzt und kümmern sich um ihn. Wer so einen Wald mitpflanzt, lernt ihn kennen und kann sich mit ihm verbunden fühlen. Forschende sprechen hier von relationalen Werten: Werte, die in Beziehungen entstehen, wenn man sich um etwas kümmert und Verantwortung dafür übernimmt (Chan et al., 2016).
Wo wurde der Mikrowald gepflanzt?
Der Leipziger Mikrowald wächst mitten in der Stadt, gegenüber vom Bayerischen Bahnhof. Er ist etwa 400 Quadratmeter groß, so viel wie ungefähr 30 Parkplätze.

Dieser Ort ist:
- ein Ort zum Lernen und Forschen,
- ein Ort, an dem sich Menschen begegnen,
- ein Ort für Biodiversität: die Vielfalt des Lebens. Viele verschiedene Pflanzen und Tiere leben an einem Platz.

Komplexe Umweltbildung
Der Boden hat eine Geschichte. Das gilt auch für den Boden, in dem die Wurzeln der Bäume wachsen.

Im Januar 2026 untersuchten Fachleute den Boden gegenüber vom Bayerischen Bahnhof in Leipzig. Sie suchten nach gefährlichen Resten aus dem Zweiten Weltkrieg, die dort noch liegen könnten. Diese Suche heißt Kampfmittelsondierung. Kinder aus dem Lernraum MIKROWALD bereiteten dafür eine Liste mit Fragen: So lernten sie zugleich etwas über Geschichte und über die Umwelt..

Wer macht mit?
Wir arbeiten seit 2023 zusammen: Unser Team besteht aus acht engagierten Menschen, die ihre Kompetenzen aus den Bereichen Pädagogik, Medien, Botanik und Naturschutz in das Projekt einbringen. Gemeinsam vereinen wir Fachwissen, Erfahrung und Begeisterung für Natur und Stadtentwicklung.
Christine Magosch: Lehr- und Lerncoach und Weiterdenkerin – Aleksandra Chwolka: Baumpflegerin und Gestalterin essbarer Landschaften – Andreas Ende: Bildungsreferent für BNE – Alexander Schmidt: Vegetationskundler und Botanikguide – Kai Votava: Grundschullehrer und Lernbegleiter der Kurt-Masur-Schule – Wolfgang Eschenhagen: Fachlehrer für Kunst, Werken & Fotografie – Kai-Thorsten Buchele: Medienpädagoge, Schulentwickler und Transformationsbegleiter – Christian Wagner: aktiver Vater der Schulgemeinschaft und Förderer der Zukunftswerkstatt der Kurt-Masur-Schule
Geplant: Präsentationsfläche
Stell dir vor, du gehst am Mikrowald vorbei und bleibst vor einer Tafel stehen. Darauf zeigt eine Klasse, was sie über den Leipziger Mikrowald herausgefunden hat.

So soll es bald sein: Am Mikrowald soll eine Schautafel stehen. Das ist ein Stadtmöbel, also etwas, das draußen in der Stadt steht, so wie eine Bank oder eine Schaukel. Hier können Schulen Informationen, Fundstücke und Ergebnisse aus ihren Projekten zeigen, zum Beispiel zum Thema Stadtentwicklung: Wie verändert sich eine Stadt, und wie gestalten wir sie gemeinsam?
Die Schautafel besteht aus zwei Platten, die kreuzweise ineinanderstecken, wie ein Plus-Zeichen von oben. So entstehen vier Flächen. Man kann um die Tafel herumgehen, und jede Fläche kann ein eigenes Thema haben. An den Flächen lassen sich Fenster aus Acrylglas (durchsichtiger Kunststoff) und kleine Schaukästen anbringen. So kann man die Tafel immer wieder neu gestalten.
Alle Schulen aus Leipzig und Umgebung sind eingeladen, mitzumachen. Das Wort dafür heißt partizipativ: Alle können mitmachen und mitgestalten. Das Ziel ist ein Lernraum mitten in der Stadt, in dem Schulen, Menschen, die vorbeikommen, und die ganze Stadt zusammenkommen.
Idee Präsentationsfläche: Christine Magosch und Wolfgang Eschenhagen

Mehr Information auf www.leipzig.de: Mikrowald entsteht am Bayerischen Bahnhof
Anfragen:


Quellen zum Weiterlesen
Für Erwachsene und Lehrkräfte. Hier steht, woher die Informationen stammen. Stand: 18. Oktober 2026.
Zum Projekt
Dieses Umweltprojekt gestalten wir im Rahmen des FREIday, unserer Zukunftswerkstatt.
- Kurt-Masur-Schule: Timeline zum großen Pflanztag am 20.03.2026
Relationale Werte
- Chan, K. M. A. et al. (2016): Why protect nature? Rethinking values and the environment. PNAS 113(6), 1462–1465. doi.org/10.1073/pnas.1525002113 (englisch)
Mikrowald und Miyawaki-Methode
- MIYA forest e.V.: Wir pflanzen!
- Landeshauptstadt Hannover: In Vahrenwald entsteht ein „Tiny Forest”
- Umweltbundesamt: Tiny Forests – von nachhaltiger Bildung zu klimaresilienten Städten
- Citizens Forests e.V. (2023): Tiny Forests im Waldkindergarten. Vortrag beim Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten.
Für Lehrkräfte
- Earthwatch Europe: Unterrichtsmaterial zum Tiny Forest (englisch)
- Stadt Leipzig: Mikrowald entsteht am Bayerischen Bahnhof