
Vorbilder:
Vom Ich zum Du zum Wir.
Im Selbstporträt erkunden die Kinder ihre Interessen und Talente.
Im Interview würdigen sie jemanden, der ihrer Lebenswelt ein Vorbild ist, und treten mit dieser Person in einen Dialog.
1. Ausgangspunkt: das Selbstporträt
Dieses Projekt beginnt mit einem künstlerischen Selbstporträt und folgenden Fragen:
Was macht mich besonders?
Was interessiert mich und wo liegen meine Talente?
Wer ist ein Vorbild für mich?
Pädagogisches Konzept aus der Kurt-Masur-Schule, Grundschule der Leipzig in Zusammenarbeit mit Mauricio Javier Ortega Aguirre, Institución Educativa Distrital de Bonda in Santa Marta (Kolumbien) und Alexander Rincón Ruiz, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universidad Nacional (Kolumbien).
Die Kinder denken über ihre Interessen, Talente und das, was ihnen in ihrem Leben wichtig ist, nach. Aus dieser persönlichen Auseinandersetzung ergibt sich eine neue Frage: Wer in meinem Umfeld lebt etwas, das ich bewundere? Wer übernimmt Verantwortung und trägt zum Wohlbefinden anderer bei?
So kommt es zu einer Standpunktveränderung: vom Ich zum Du. Kinder identifizieren eine wichtige Person in ihrem Alltag und erkennen deren Bedeutung. Diese Erkenntnis eröffnet die Möglichkeit eines Wir.
2. Das Interview verbindet das Ich und das Du
Der nächste Schritt ist die Begegnung. Das Interview wird zu einem Werkzeug, um sich dem anderen bewusst und respektvoll zu nähern. Es geht nicht nur darum, eine Technik anzuwenden, sondern zu lernen, Fragen zu formulieren, die es ermöglichen, Erfahrungen, Motivationen und Verantwortlichkeiten zu verstehen.
Auf diese Weise verbindet der Prozess künstlerisches Schaffen, persönliche Reflexion und Dialog. Das Selbstporträt leitet die Suche ein, das Interview erweitert sie auf die Gemeinschaft.
Vergleich von zwei Interviews.
Zunächst werden zwei kurze Beispiele für Gespräche gezeigt, die dasselbe Thema behandeln, aber einen sehr unterschiedlichen Eindruck hinterlassen.
Interview A
„Gefällt dir deine Arbeit?“
„Ja.“
„Okay.“
Interview B
„Was ist deine Aufgabe?“
„Warum ist sie wichtig?“
„Was war besonders schwierig?“
„Kannst du ein Beispiel nennen?“
In einem gemeinsamen Gespräch sammeln wir, was den Unterschied ausmacht: Was hat deine Neugier geweckt? So erkennen die Kinder, dass manche Fragen mehr Informationen liefern, mehr Tiefe schaffen und ein Gespräch lebendiger machen können. Dieser Abschnitt dient in erster Linie dazu, die Qualität des Gesprächs zu erleben und wahrzunehmen.
Analyse: Was zeichnet eine gute Frage aus?
Nachdem wir erfahren haben, wie Gespräche unterschiedliche Auswirkungen haben können, analysieren wir, wie gute Fragen aufgebaut sind.
An der Tafel oder im Plenum werden typische Anfänge offener Fragen gesammelt:
Wie …?
Warum …?
Durch was …?
Was genau …?
Welche …?
usw. …
Geschlossene Frage: Ist deine Arbeit schwierig?
Offene Frage: Was findest du an deiner Arbeit am schwierigsten?
Die Kinder üben, wie man Ja/Nein-Fragen in offene Fragen umwandelt. Auf diese Weise verstehen sie nicht nur, dass offene Fragen mehr Informationen liefern, sondern auch, wie sie sprachlich aufgebaut sind. Dieser Abschnitt dient dem Sprachverständnis: bewusst Fragen formulieren, um ein Gespräch zu vertiefen.
Wie plane ich ein Interview?
Struktur: Die Kinder erhalten eine einfache Struktur:
Ein Interview besteht aus vier Teilen:
Begrüßung
Einleitende Fragen
Vertiefende Fragen
Fazit
Dies wird unabhängig vom Thema als feste Struktur eingeführt.
3. Wettbewerb: Mach mit und gib Vorbildern eine Bühne
„Economías para la Vida” schlägt das Interview als pädagogisches Instrument vor, um persönliche Reflexion, Dialog und soziales Lernen miteinander zu verbinden.
Wir laden Lehrkräfte aus verschiedenen Bereichen – Sprachen, Ethik, Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften und Kunstunterricht – ein, diesen Vorschlag in ihren Unterricht zu integrieren und eine Auswahl der durchgeführten Interviews einzusenden.
Uns interessiert, wie jeder Fachbereich den Übergang vom Ich zum Du interpretiert und wie durch den Dialog ein Wir im Klassenzimmer entsteht.
In Abhängigkeit von den verfügbaren Ressourcen wird eine Auswahl der teilnehmenden Klassen als Anerkennung für ihre Arbeit zu einem Museumsbesuch oder einer Bildungsreise eingeladen.
Wir freuen uns auf Ihre Erfahrungen und Beiträge.
4. Für Lehrkräfte: „Wirtschaft für das Leben”
„Economías para la Vida” (Wirtschaft für das Leben) bietet einen Reflexionsrahmen, der die schulische Arbeit in verschiedenen Bereichen bereichern kann, wir laden Lehrkräfte aller Fachrichtungen ein, diesen Ansatz als konzeptionelles Werkzeug für die interdisziplinäre Arbeit kennenzulernen:

“ … Der Begriff „Wirtschaft für das Leben“ beschreibt ein breites und vielfältiges Feld von wirtschaftlichen Praktiken, Beziehungen, Wissen und sozialen Organisationsformen. Diese entstehen innerhalb des kapitalistischen Marktes, an seinen Rändern oder auch darüber hinaus. Im Mittelpunkt steht nicht die Anhäufung von Kapital. Entscheidend ist die Erhaltung und Weiterentwicklung des Lebens von Menschen und Natur, der Schutz der Territorien und der Aufbau gemeinschaftlicher Selbstbestimmung.
Der Ansatz der vielfältigen Ökonomien geht davon aus, dass Wirtschaft nicht nur aus Lohnarbeit, formalen Märkten oder Kapitalanhäufung besteht. Wirtschaft umfasst auch viele andere Formen von Produktion, Austausch, Finanzierung und Sorgearbeit, die den Alltag der Menschen tragen und das Leben sichern.
Zu dieser Vielfalt gehören zum Beispiel Agroökologie und Ernährungssouveränität, gemeinschaftliche und kooperative Produktionsformen sowie Bauernmärkte und kurze Vermarktungswege. Auch Tauschhandel und solidarische Austauschformen gehören dazu.
Ebenso wichtig sind Fürsorgewirtschaft, gemeinschaftliche Küchen und Nachbarschaftsnetzwerke. Hinzu kommen gemeinschaftlich organisierte Wassersysteme, der lokale Umgang mit Wäldern und anderen Gemeingütern sowie verschiedene Formen von familialer, gemeinschaftlicher oder informeller Arbeit.
Gerade in Situationen von Ungleichheit, Ausgrenzung oder Konflikten sichern diese Tätigkeiten oft das tägliche Leben und stärken gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt.“ Alexander Rincón Ruiz
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Pädagogisches Konzept aus der Kurt-Masur-Schule, Grundschule der Leipzig in Zusammenarbeit mit Mauricio Javier Ortega Aguirre, Institución Educativa Distrital de Bonda in Santa Marta (Kolumbien) und Alexander Rincón Ruiz, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universidad Nacional (Kolumbien).